Kirchliche Kunst und Kulturgeschichte im Diözesanmuseum

Am 2. Oktober 2022 hat das Diözesanmuseum Freising nach neun Jahren Schließung und vier Jahren Bauzeit wieder seine Pforten geöffnet. Das generalsanierte Gebäude auf dem Domberg präsentiert sich äußerlich wie innerlich in neuem Gewand und möchte seine Besucher*innen wieder mit kunst- und kulturgeschichtlichen Ausstellungen im Spannungsfeld von Glauben, Kunst und Gesellschaft inspirieren.

Der Sammlungsbestand des Diözesanmuseums umfasst über 40.000 Objekte aus allen Bereichen kirchlicher Kunst und Kultur. Es gehört weltweit zu den größten religionsgeschichtlichen Museen. Schwerpunkte sind die spätmittelalterliche kirchliche Kunst Altbayerns, Schwabens und des Alpenraums sowie kunsthistorisch bedeutende Werke des süddeutschen Barocks und Rokoko, aber auch Artefakte aus dem Bereich der Liturgie, der Volksfrömmigkeit, des Wallfahrtswesens und der Klosterkultur. Einen weiteren Sammlungsbereich bilden 2.700 Objekte der frühchristlichen und byzantinischen Kunst und Kultur, anhand derer die Ursprünge christlicher Kunst und Liturgie in einem eigenen Ausstellungsbereich veranschaulicht werden können.

 

Lassen Sie sich anregen und beseelen von meisterlichen Werken

Die neue Schausammlung präsentiert auf fast 2500 Quadratmetern Ausstellungsfläche christliche Kunst aus zwei Jahrtausenden: von frühchristlichen Werken bis hin zu zeitgenössischen Positionen des 21. Jahrhunderts. Neben Künstlern der bayerischen Spätgotik des 15. Jahrhunderts wie Erasmus Grasser, Jan Polack und Gabriel Angler sind auch der große Lucas Cranach und viele Meister des Barock und Rokoko, so Ignaz Günther, Johann Baptist Straub und die Gebrüder Asam, vertreten.

Auch zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler haben im neuen Diözesanmuseum ihren festen Platz und sorgen für Offenheit nach allen Seiten  – etwa der US-amerikanische Installationskünstler James Turrell, der in der ehemaligen Hauskapelle einen Lichtraum kreiert hat: „A CHAPEL FOR LUKE and his scribe Lucius the Cyrene“ ist eine raumübergreifende Lichtinstallation in Form eines Ganzfeldes. Dabei verschmelzen alle architektonischen Merkmale – Licht, Farbe und Raum – zu einer Einheit, wodurch das Phänomen des vollkommenen Verlusts der Tiefenwahrnehmung erzeugt wird. Mit Betreten des Werkes werden so die Grenzen von Raum und Zeit scheinbar aufgelöst und sprichwörtlich entgrenzende Erfahrungen geschaffen.

Die belgische Bildhauerin Berlinde de Bruyckere setzte sich besonders mit dem Bestand spätgotischer Skulpturen des Museums auseinander und schuf unter diesem Eindruck die überlebensgroße Bronzeskulptur ARCANGELO für den Lichthof des DIMU. Der für seine Langzeitbelichtungen bekannte Fotograf Michael Wesely zeigt in seinen beiden Arbeiten die Transformation des Museums in den letzten neun Jahren, in dem er das Museumsteam kurz nach der Schließung und kurz vor der Wiedereröffnung zu einem Gesicht verschmelzen ließ. Die amerikanische Künstlerin Kiki Smith hat sich bei ihrem Besuch auf dem Domberg im Juni 2019 entschlossen, einen kleinen Sakralraum im Außenbereich des Museums zu gestalten. Die von ihr in Zusammenarbeit mit Brückner & Brückner entworfene Kapelle trägt den Titel „Mary's Mantle Chapel“ und wird ab April 2023 auf der Westterrasse des Museums gebaut und von der Künstlerin gestaltet.

 

Einblicke in die Schausammlung

Sonderausstellung „Tanz auf dem Vulkan. Leben und Glauben im Schatten des Vesuv“

Zur Wiedereröffnung zeigt das Museum bis Ende Januar 2023 die Sonderausstellung „Tanz auf dem Vulkan. Leben und Glauben im Schatten des Vesuv“, die sich anhand von Artefakten und Zeugnissen rund um Neapel, den Vesuv und den Stadtpatron San Gennaro mit der akuten Frage auseinandersetzt, wie Menschen mit der Bedrohung durch Naturkatastrophen umgehen. Viele Zeugnisse des Heiligenkults um San Gennaro haben erstmals Neapel verlassen, um in dieser Schau gezeigt zu werden (ausführliche Infos zur Ausstellung bei unseren Tipps).

 

Bilder der Sonderausstellung