Ausstellung zum 44. Literarischen Herbst

Ein Kind auf dem Rücken eines geheimnisvollen Wesens
Fantasievolle Bildwelten voller überraschender Ideen: Jens Rassmus zeigt in der Ausstellung „Abenteuer im Kopf“ Illustrationen aus seinen Kinderbüchern. (© Jens Rassmus aus „Das Nacht-Tier“, Edition Nilpferd 2018)

Für die Ausstellung zum 44. Literarischen Herbst hat der Kulturverein "Modern Studio Freising" den Kinderbuch-Illustrator Jens Rassmus eingeladen. Die Ausstellung "Abenteuer im Kopf" im Alten Gefängnis zeigt seine lebendigen Bilderwelten.

Zwei Kinder schauen aus einem Fenster. Was sie sehen, gefällt ihnen nicht. Es regnet in einer Weise, die an Aufhören nicht einmal denken lässt. Neben der Tür lehnen zwei Fahrräder, eines ein bisschen kleiner als das andere. Vielleicht hätte man sie doch unterstellen sollen, jetzt werden sie ganz nass. Jens Rassmus hat nur wenige Striche gebraucht, um eine Szenerie zu entwerfen, die genau diese Geschichte erzählt. Jedes Detail stimmt: Der Ausdruck in den Gesichtern, die Körperhaltung. Die feinen, kurzen Linien, gleichmäßig über die Seite verteilt, die den Regen darstellen. Die Anordnung der Fenster, die auf ein Mehrparteienhaus hindeuten. Man ist mittendrin in der Geschichte und sie geht weiter. Jetzt sieht man die Kinder von hinten am Fenster stehen. Der Junge hebt seinen Ball auf und geht weg, Er hat sein Handy geholt und hat nun eine Beschäftigung. Das Mädchen sitzt missmutig daneben. Eine ganze Weile geht das so. Dann legt der Junge sein Handy weg, nimmt seinen Ball und rollt ihn auf dem Kopf des Mädchens hin und her. Daneben in weißblauen Farbtönen, ganz malerisch, ein Gletscherberg mit einer Felskugel obendrauf. Die Vorstellungskraft ist erwacht und regt zu Taten an. Die Kinder erinnern sich an ihr Erleben der Natur mit Bäumen, Wiesen, Wolken. Sie träumen sich in wilde Landschaften hinein, dargestellt in opulenten farbigen Bildern, verwandeln sich in Tiere, Leopard und Löwe. Bald hält es sie nicht mehr im Haus. Als sie ins Freie stürmen, hat der Regen aufgehört. Dieser Titel „Regentag" bekam den Deutschen Jugendliteraturpreis 2025 in der Sparte Bilderbuch.

Wie bei den meisten Illustratoren, die für Kinder zeichnen und malen, sind es Tiere aller Art und Größe, die durch die Bilderbücher von Jens Rassmus kriechen, flitzen, schwimmen, fliegen. Sie schlüpfen in die Rollen von Menschen, ziehen manchmal auch Kleider an und gehen auf zwei Beinen. Doch sie behalten ihre tierische Eigenart, das, was für sie typisch ist. So gewinnt bei der Olympiade der Tiere natürlich immer der Gepard den 100 m-Lauf, das Wettschwimmen immer der Orca und der Box-Weltmeister wird das Känguru. Das langweilt das tierische Publikum mittlerweile so, dass regelmäßig alle einschlafen. Schließlich haben Zwergmaus, Hamster und Regenwurm die Idee, etwas grundsätzlich zu ändern. Der Sieger sollte der Langsamste, Schwächste sein. So treten beim Hochsprung Kellerassel und Walross gegeneinander an und der Boxkampf zwischen Schwan und Pinguin ist eine denkbar friedliche Veranstaltung, weil keiner den anderen wirklich schlagen will. Und alle haben ihren Spaß.

Am Malstil fällt auf, dass die Tiere sehr plastisch wirken, die Form ihrer Körper betont, vor allem die Rundungen hervorgehoben werden. Als ob Sportler ihre Muskeln spielen lassen. Im übrigen schreibt Jens Rassmus meist auch die Texte für seine Bücher. Das kann besonders enge Verbindungen zwischen Bild und Text schaffen, so dass bildnerisch kreative Passagen nicht enden müssen, weil die Worte fehlen. 

Jens Rassmus, 1967 geboren, illustriert und schreibt seit vielen Jahren Kinderbücher und erhielt dafür zahlreiche Auszeichnungen. 2022 und 2023 war er für den Astrid Lindgren Memorial Award nominiert. Er lebt mit seiner Familie in Kiel.

Vernissage: Donnerstag, 5. November, um 19 Uhr 
Ausstellungsdauer: Freitag, 6. November, bis Sonntag, 29. November 2026
Öffnungszeiten: Freitag 15 bis 19 Uhr, Samstag und Sonntag 11 bis 19 Uhr sowie nach Vereinbarung (Telefon +49 8161 63619 oder +49 8165 8533)
Ausstellungsort: Altes Gefängnis Freising, Brennergasse 1
Einritt frei